Personaler sollten bei der Generation 55+ nicht länger zögern

Personaler sollten bei der Generation 55+ nicht länger zögern image

Das Problem des Fachkräftemangels ist in aller Munde und wird immer wieder beklagt. Doch es ist nicht das einzige Thema, das Personaler und Unternehmen beschäftigt. Deutschland wird zunehmend älter – und das hat weitreichende Konsequenzen. 

Zukunft der Arbeitswelt und der demografische Wandel
Bis 2060 werden fast 30 % der in Deutschland lebenden Menschen 67 Jahre oder älter sein. Heute sind bereits fast 25 % aller Beschäftigten über 55 Jahre alt, und in den nächsten zehn Jahren werden etwa zwei Millionen ältere Fachkräfte in Engpassberufen in den Ruhestand gehen. Hinzu kommt, dass fast jeder dritte Deutsche aus unterschiedlichen Gründen die „Rente mit 63“ in Anspruch nimmt und somit frühzeitig aus dem Berufsleben ausscheidet [Q1]. 

Herausforderung für Personaler
Trotz dieser demografischen Entwicklung wird die Gruppe der „Best Ager“ von vielen Unternehmen immer noch kritisch betrachtet. Laut einer Umfrage von Indeed sagen etwa 28 % der Befragten, dass Kandidaten über 60 Jahre zu alt für ihr Unternehmen seien. 20 % sprechen bereits ab 55 Jahren von zu hoher Alterszugehörigkeit [Q2]. 

Warum Altersdiskriminierung?
Die Gründe für das Alter als Ausschlusskriterium erscheinen oft logisch: Höhere Berufserfahrung wird oft besser entlohnt, die Nähe zum Rentenalter sorgt für Unsicherheiten, und Vorurteile gegenüber älteren Arbeitnehmern sind weit verbreitet. Auch wenn das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) versucht hier zu regulieren, sehen sich viele ältere Menschen dadurch mit solchen Vorurteilen konfrontiert [Q3]. 

Chancen für Unternehmen
Arbeitgeber sollten sich bewusst machen, dass 55+ Arbeitnehmer häufig bis zur Rente im Unternehmen bleiben und so nicht selten eine deutlich längere Unternehmenszugehörigkeit bringen als junge ambitionierte Professionals. Unternehmen sollten vor allem auch von Diversität und Inklusion profitieren und die Erfahrung älterer Arbeitnehmer im Team nutzen.

Weiterbildung als Schlüssel
Viele ältere Arbeitnehmer sind auch bereit, sich weiterzubilden oder umschulen zu lassen. Die Weiterbildungsteilnahme von 55- bis 64-Jährigen lag 2020 bei 51 %, im Vergleich zu 38 % im Jahr 2012 [Q5].

Die falsche Wahrnehmung von Weiterbildungsmöglichkeiten
Leider erleben viele dieser Arbeitnehmer, dass Weiterbildungsangebote oft eher auf jüngere Kolleginnen und Kollegen zugeschnitten sind. Auch ausgeschriebene Stellenangebote sprechen selten Menschen im Alter 55+ an [Q4]. 

Diversität im Alter als Wettbewerbsvorteil
Gerade jetzt können Unternehmen von einer Generationensichtbarkeit profitieren. Jüngere Mitarbeiter können enorm vom Wissen und der Erfahrung älterer Kollegen profitieren. In Zeiten des Fachkräftemangels lohnt es sich, Mitarbeiter jeden Alters zu rekrutieren, auszubilden und langfristig zu binden.

Langfristige Bindung von qualifizierten Mitarbeitern
Statistiken zeigen, dass viele Arbeitnehmer in Deutschland eine lange Betriebszugehörigkeit anstreben. 41,7 % der Erwerbstätigen waren 2023 mindestens seit zehn Jahren beim gleichen Arbeitgeber. Das bedeutet, es lohnt sich auch ältere Mitarbeitende als Chance zu sehen und durch Zufriedenheit und Förderung an das Unternehmen zu binden [Q6]. 

Fazit
Die Arbeitswelt wird älter und Unternehmen müssen auf die Wertschätzung und Integration älterer Arbeitnehmer setzen, um sich langfristig qualifizierte Arbeitskräfte zu sichern. Letztlich profitieren nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Mitarbeiter, die bis zum Ende ihrer Erwerbstätigkeit eine erfüllende berufliche Perspektive haben.

Wie steht ihr zu diesem Thema? Rekrutiert ihr bewusst ältere Generationen und wenn ja, wieso?


Quellen:

[Q1] https://news.kununu.com/altersdiskriminierung-am-arbeitsplatz/

[Q2]https://www.wiwo.de/erfolg/jobsuche/jobwechsel-jobsuche-mit-ueber-50-nur-drei-rueckmeldungen-auf-150-bewerbungen-/29372738.html 

[Q3] https://www.randstad.de/hr-portal/personalmanagement/altersdiskriminierung-beruf/

[Q4]https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/neue-herausforderung-ueber-55-was-geht-jetzt-beruflich-noch-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-240513-99-09050 

[Q5] https://www.diebayerische.de/ratgeber/jobwechsel-im-alter/ 

[Q6]https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-4/dauer-beschaeftigung-aktuell-Arbeitgeber.html